Aufgewachsen im ländlichen Süddeutschland zog es Cleo Winterstein und Louis Leclerc für den ersten Job in die Stadt, wo sie im jeweils anderen die große Liebe fanden. Einige Wochen, Monate und viele Gedanken später, entscheiden sie sich, Alpenvorland, bayrischer Wirtshauskultur, Brezen und Obazda, Familie und Freunden den Rücken zuzukehren. In ihren Gedichten thematisieren Cleo Winterstein und Louis Leclerc die Phase des Abwägens und Entscheidens, des Zurücklassens und Ankommens, der nostalgischen Erinnerung und der Vorwärtsgewandtheit. Die Form der Haikus bietet ihnen die Möglichkeit, das Umbrechen in ihrem Leben ins Bild zu setzen.
Groß sind die Alten
Currywurst ist Kraft
Marschall der Lüfte
Silbrig klingt dem Mann
Verlockendes Blatt
Rot-grün-gelbe Soss’
Oberquakenbrück
Überlebenskunst
Achtzehn, zwanzig, zwei
Dampfender Hafer
Kaffeebohnenmehl
Mulligatawny
Schwanenvaterruf
Kunst und Gemüse
Kapital will mehr
Zinseszinseszins
Hoch in den Lüften
Kleiner schwarzer Bart
Mühsam das Schreiben
Graue Fliesenwand
Kaum zu ertragen
Siegessäulenstau
Alster und Elbe
Korrelation
Damast und Diwan
Manchego duftet
Zusammenhangsfrei
Was immer ihr wollt
Rentner gut nähren
Kinderaugentraum
Backpapier knistert
Silbe lang, Wort kurz
Gel etwas zu nass
Rechtes Flussufer
Mehl und Milch und Ei
Bundestagsdiener
Land gottgegeben
Fünf Silben sind viel
Nicht in meinem Hof
Grüner Wendehals
Blau wie Enzian
Mit Schäferhunden
An einem Tage
Wenig ist ewig
Warum schweigen nur
Assoziativ
Wie die Kontouhr
Über zehn Sekunden
Wozu arbeiten
Fünf, sieben, und fünf
Ganzer Tag verbraucht
Nummerierungen
Winter ohne Glätte
Arno Dübel, frech
Möwen nisten hier
Was ist unser Ziel
Wer kennt den Sommer
Konzentration
Schlageraffensang
Augen wasserblau
Das Bächlein gurgelt
Wolkenwanderung
Auf grünem Grunde
Eine Biene sinnt
Kakaobäume
Krustenbraten schmeckt
Petunientopf
Schon wieder langsam
Wie kann man irren
Tiere im Kanon
Kolonie und Köln
Verleger verlegt
Seiten verschwimmen
Schneller nun, mach rasch
Rote Mauern hier
Wo beginnt Arbeit
Die Halbzeitpause
Sehen und blättern
Mimosen zieren
Tief unter dem Balkon
Staub auf der Appia
Parlament leeren
Tristan, die Olle
Wähnen fand Frieden
Die Schüssel klappert
Ceylon liefert Tee
Ministerial
Große kleine Kunst
Plunder inseriert
Wahlen gewonnen
Glaubst du an den Gott
Champagnerperlen
Die Liebe zum Hund
Altkleider spenden
Hausordnung achten
Coronalockdown
Brot nährt seinen Mann
Spülmaschinenblues
Brot ohne Butter
Knochenporzellan
Reisen heißt warten
Gäste bewirten
Weine auswählen
Honig ist cremig
Container klackern
Ermüdet vom Jetzt
Runenstein lesen
Leder sanft walken
Den Isthmus sehen
Der Kommissar weiß
Unfiltriertes Öl
Wieder ein Notruf
Anwendung verkauft
Wohnungsbau makeln
Echt unterfordert
Zeitung aufschlagen
Alpenschlucht rufen
Den Willen brechen
Versichert, verkauft
Eine kleine Welt
Operettenstaat
Auf Brettern schlittern
Wird etwas gemacht
Ohlsdorf oder Ohlsdorf
Er hat es besser
Mondschein sanfter Weg
Holz in purer Form
Platten sind Platten
Karl Darwins Erbe
Strümpfe ohne Loch
Edelweiß am Berg
Bier oder Selters
Bilder sind verkehrt
Geisterhand oh Graus
Peter oder Paul
Kuscheln mit Muscheln
Erschütterer Stein
Griechische Reise
Fang das helle Licht
Schreiende Kinder
Great are the old
Currywurst is power
Marshal of the skies
Silvery sounds to the man
Tempting leaf
Red-green-yellow Soss‘
Oberquakenbrück
Survival skills
Eighteen, twenty, two
Steaming oats
Coffee bean flour
Mulligatawny
Swan Father Call
Art and vegetables
Capital wants more
Compound interest
High in the air
Small black beard
The arduous task of writing
Grey tile wall
Hardly bearable
Victory Column Jam
Alster and Elbe
Correlation
Damask and divan
Manchego smells
Incoherent
Whatever you want
Nourish pensioners well
Children’s eye dream
Baking paper crackles
Syllable long, word short
Gel a little too wet
Right bank of the river
Flour and milk and egg
Federal Parliamentary Servants
Land given to God
Five syllables are a lot
Not in my yard
Green Wryneck
Blue like gentian
With shepherd dogs
One day
Little is eternal
Why only silence
Associative
Like the account clock
Over ten seconds
What for work
Five, seven, and five
Whole day consumed
Numbering
Winter without slipperiness
Arno Dübel, cheeky
Gulls nest here
What is our goal
Who knows the summer
Concentration
Schlageraffensang
Eyes water blue
The brook gurgles
Cloud hike
On green ground
A bee ponders
Cocoa trees
Roast crust tastes good
Petunia pot
Slow again
How can one err
Animals in the canon
Colony and Cologne
Publisher relocated
Pages blur
Faster now, make it quick
Red walls here
Where work begins
The half-time break
View and browse
Mimosa adorn
Deep under the balcony
Dust on the Appian Way
Empty Parliament
Tristan, the old lady
Pondering found peace
The bowl rattles
Ceylon supplies tea
Ministerial
Great little art
Junk advertised
Elections won
Do you believe in the God
Champagne pearls
The love of dogs
Donate old clothes
Respect house rules
Coronalockdown
Bread feeds its man
Dishwasher blues
Bread without butter
Bone china
Travelling means waiting
Entertain guests
Select wines
Honey is creamy
Container clatter
Tired of the now
Read rune stone
Leather gentle waltzing
See the Isthmus
The Commissioner knows
Unfiltered oil
Another emergency call
Application sold
Housing brokerage
Really underchallenged
Open newspaper
Alpine Gorge call
Breaking the will
Insured, sold
A small world
Operetta State
Sliding on boards
Is something done
Ohlsdorf or Ohlsdorf
He has it better
Moonlight gentle way
Wood in pure form
Plates are plates
Karl Darwin’s Legacy
Stockings without hole
Edelweiss on the mountain
Beer or seltzer
Pictures are upside down
Ghostly hand oh horror
Peter or Paul
Cuddling with shells
Shaking stone
Greek trip
Catch the bright light
Screaming children
Kommentare
Eine Antwort zu „280 Haikus von Louis Leclerc und Cleo Winterstein“
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